Nicht- Selektion Weltmeisterschaft

Seit der Europameisterschaft in Bern ist einige Zeit vergangen und es wurde etwas still auf meiner Webseite. Das möchte ich mit dem heutigen Eintrag ändern. Ein aktueller Anlass dazu gibt sicher meine nichtqualifikation für die WM von Ende Monat in Pietermaritzburg. Die WM war mein grosses erklärtes Ziel. Dieser Traum ist jetzt jäh geplatzt. Ich muss den Entscheid zwar akzeptieren, ihn aber zu verdauen fällt mir extrem schwer. Doch mal der Reihe nach.

 

Nach der Europameisterschaft löste sich der ganze Druck von mir, auch wegen der bis zum Schluss offenen Qualifikation Szenarien. Mein Körper reagierte darauf und ich fiel ich in ein Leistungsloch, fühlte mich schlapp und müde. Die Resultate spiegelten dies wieder. An der Schweizermeisterschaft resultierte für mich lediglich der 10. Platz, dieser war hinter meinen Erwartungen und dem Leistungsniveau der Wochen zuvor. Enttäuscht hakte ich die SM als schlechter Tag ab und konzentriere mich nachher auf die beiden folgenden Weltcups in Andorra und Kanada. Diese galten auch als Kriterium für die WM Selektion. In den drei Wochen bis zum Weltcup in Andorra war es ein auf und ab. Einige Trainings waren sehr gut, bei anderen fühlte ich mich grottenschlecht. Ich wusste nicht wirklich, wie meine Form war.

 

In Andorra hatte ich grosses Pech und erlitt kurz nach dem Start einen platten Reifen. Ich fuhr die Runde noch zu Ende, hatte aber im Ziel auf die Spitze über vier Minuten Rückstand und keinen Sichtkontakt mehr zu den letzten Fahrern. Ich beendete das Rennen um meine Kräfte zu schonen.

 

Eine Woche später stand der BMC Racing Cup in Davos auf dem Programm. Ich überlegte mir noch, ob ich den fahren will, weil ich mich in dieser Zeit lieber erholen wollte, da ich eine Phase hatte wo ich dauernd extrem müde war. Doch im Hinblick auf den Weltcup in Kanada wollte ich ein gutes Gefühl mitnehmen und die Bestätigung erhalten, dass ich trotz allem die Wochen davor gut trainiert habe. So entschied mich dann dafür, reduzierte aber mein Training in der Woche zuvor auf ein absolutes Minimum. Ich startete gut ins Rennen und fühlte mich frisch. Bis zur vierten Runde lag ich an vierter Stelle. Doch dann musste ich das Tempo drosseln, durch das ich so wenig trainiert hatte, fehlte mir die nötige Rennhärte um bis zum Schluss so weiterfahren zu können. Am Ende belegte ich den 10. Rang. Mir war die Platzierung aber egal, das Gefühl/Puls aus dem Rennen stimmte, so freute ich mich auf den Weltcup in Kanada und wusste, wenn alles gut läuft, liegt ein Top 20 Resultat (was ja für die WM Selektion als Kriterium galt) drin.

 

In Kanada fühlte ich mich schon wieder viel besser. Das Rennen lief für mich gut, der Start hätte besser sein könnnen, aber ich habe mich für keinen Sprintstart entschieden und musste dann am Ende mit dem Resultat zufrieden sein. Ich fuhr während dem ganzen Rennen konstant zwischen Rang 21 und 23 und beendete es schliesslich auch auf dem 23. Platz. Eine Platzierung die mich meiner Meinung nach berechtigt auf eine WM teilnahme hoffen liess.

 

Wieder zu Hause angekommen erhielt ich am Donnerstag den Bescheid, dass es für mich nicht zur WM Qualifikation gereicht hat. Ich war absolut konsterniert und verstand diesen Entscheid überhaupt nicht. Mich kontaktierten sogar andere Fahrer, die den Entscheid auch nicht wirklich verstehen konnten. Von Seite Swiss Cycling wurde mir klar gemacht, dass ich eben die Kriterien (Top 20 an einem Weltcup) nicht erreicht habe. Das war mir auch klar, doch erreichte ich an der EM den 18. Platz und fuhr die ganze Weltcupsaison bis jetzt sehr konstant. Dass jetzt plötzlich die Formkurve und aktuellen Leistungen nicht mehr so zum Tragen kommen, wie beim Entscheid zur Europameisterschaftsqualifikation, finde ich einfach nicht korrekt. Schlussendlich verwirren mich auch solche Entscheide, denn stand für mich immer im Fokus, dass die Leistungen für eine WM Qualifikation der momentanen Phase (EM, SM, Weltcup Andorra und Kanada) im Vordergrund stehen und wichtig sind und nicht gleichviel oder sogar mehr Gewicht auf die erste Phase Anfang Saison gelegt wird.

 

Das alles macht mich sehr traurig und es ist für mich im Moment extrem schwierig mich auf den Rennsport und das Training zu konzentrieren. Ich weiss auch, dass man nichts mehr rückgängig machen kann, aber es tut mir weh zu sehen, dass man alles gibt und während einer Saison konstat im Weltcup um den Platz 20 fahren kann, im Weltucpranking auf Platz 29 steht und in der UCI Weltrangliste Platz 37 ist und es dann am Ende doch nicht ausreicht.

 

Es ist mir klar, dass die Saison noch nicht zu Ende ist und dass ich nach vorne schauen muss. Es steht ja noch das Weltcupfinale in Norwegen auf dem Programm...doch war es mein grosser Traum an der WM dabei zu sein.

 

Ich möchte mit diesem Beitrag niemanden zu nahe treten, schon gar nicht uns Rennfahrer, doch sind das meine momentanen Gefühle und ich habe Mühe das alles zu verstehen und zu akzeptieren. Deshalb wollte ich auf diesem Weg meine Situation mitteilen und Stellung zum ganzen Thema beziehen.

 

Danke für all euren Support und eure Nachrichten, diese haben mir sehr viel Mut zum weiter kämpfen gegeben.

 

Nicola